The Staggers @ stereo, Klagenfurt

Samstag, 08.Mai 2010
20:00 Uhr
Typ: Surf/Rockabilly Konzert
Ort: stereo, Klagenfurt
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Eintritt: € 14.-
VVK: € 12.- MegaCardMember/Studenten VVK:€ 10.-

The Staggers (AUT) - Surf/Rockabilly

Local Support: DeeCracks

Veranstaltertext:
Falls irgendjemand an der Authentizität von sechs Österreichern zweifeln sollte, die wie amerikanische Jungdelinquenten aus den Mittsechzigern aussehen, sei nur soviel klargestellt: Teenage Trash Insanity ist nicht irgendein postmoderner Scherz, sondern eine ebenso primitive wie effektive Gegenreaktion auf das rapide Verschwinden des schnarchsäckigen 21. Jahrhunderts in den Tiefen seines eigenen Rektums. Wie alle, die je bei einem Gig der Staggers waren, bestätigen werden, ist höfliches Retro-Malen-nach-Zahlen ihre Sache nicht.
Ihre ausgelassenen Konzerte kulminieren zumeist darin, dass sich ihr - wenn überhaupt dann kaum noch - bekleideter Sängers Wild Evel Bier aus seinem Winklepicker-Boot in den Mund leert. Gegen Ende des Abends interessiert es dann niemand mehr, ob er oder sie gerade die Zukunft, die Vergangenheit oder das untote Gesicht des Rock‘n‘Roll gesehen hat. Zombies kümmern sich nicht um Revivals.

“Wir machen einfach Musik in einer Stilrichtung, die es halt nun schon mal lange gibt!”, bestätigt Wild Evel, „Da kann ich gar nix dagegen sagen! Aber wir machen ja neue Nummern, und für die meisten jungen Leute, die sich mit der Richtung nicht auskennen, sind vielleicht wir der Einstieg in die große Welt des Garage Punk. Who knows… Außerdem wollen wir ja, dass die wildeste, primitivste, kreativste und partymässigste aller Musikrichtungen nicht in Vergessenheit gerät!!” Wie an diesem Zitat unschwer zu erkennen, ist Wild Evel einer dieser frontalen Typen, die jeden ihrer Sätze mit mindestens einem Rufzeichen beenden. Er schreibt schamlos stupide Texte über schwarze Leichenwagen („Black Hearse Cadillac”), geistiges Versagen, wilde Teens, dämliche Tänze und fiktive Figuren wie The Jaguar, The Ripper oder The Wolfman. Er benimmt sich genauso wie die pilzköpfigen Monster in seinen Karikaturen und sieht auch genauso aus, seine schwarzen Hornbrillen trägt er aber nur, wenn er sie am Tag nach dem Gig noch finden kann. Die bis zum Nähteplatzen engen, maßgeschneiderten Anzüge fallen wiederum regelmäßig seiner exzessiven Bühnenshow zum Opfer.

Alle Bandmitglieder haben schon in verschiedenen Garage Punk-, Surf- und Psychobilly-Bands gespielt. Der Ball kam ins Rollen, als Evel von der instrumentalen Surf-Beat-Combo The Pat S. Syndicate als Sänger angeheuert wurde, und von da an transformierte sich die Band nach und nach bis zur heutigen Besetzung der The Staggers, in der vom Syndicate außer Evel nur noch Gitarrist Los Fixos übrig ist. Letzterer und sein Gitarristenkollege Shakin‘ Matthews befetzen einander zwar mit ziemlich fingerfertigen Surf- und Rock‘n‘Roll-Licks, aber keine Sorge, im Herzen bleiben sie primitiv. Das trifft sich auch gut mit dem urweltlichen Gepolter, das Bassist Kri und Trommler Candee Beat hervorbringen, und ergibt zusammengenommen gerade genug maskuline Energie, um die überwältigende Präsenz und das durchdringende Kreischen von Lightnin‘ Iris an ihrer bösen Farfisa-Orgel auszugleichen.

In den letzten zwei Jahren haben die Staggers sich auf ihren unermüdlichen Tourneen quer durch Europa eine Fangemeinde erspielt, deren Zahl weit über die begrenzte, wenn auch wachsende internationale Garage Punk-Szene hinaus geht. Dabei spielten sie mit legendären Acts wie The Monks, The Music Machine, den Psychobilly-Heroen Demented Are Go! oder den Neopsychelic-Pionieren The Fuzztones.
“Mit den Fuzztones haben wir schon dreimal zusammen gespielt, und die sind natürlich auch Vorbilder!” so Wild Evel, „Wir sind ja auch auf der Tribute to the Fuzztones-CD ‚Illegitimate Spawn‘ mit deren Nummer ‚Cellar Dwellar‘ vertreten, die der Rudi Protrudi mit seinem Label Sin Records rausgebracht hat! Wobei wir uns (wie auch die Fuzztones) lieber an die Original 6ts Garage No-Hit-Wonders halten! ”

The Staggers haben einen puristischen Kern, der sie von all den bei H&M eingekleideten Opportunisten unterscheidet, die im Windschatten von Bands wie den White Stripes, The Hives oder Mando Diao daherkommen: „Für mich sind das normale Rockbands, die meistens eher mit 70er Rockbands verwandt sind als mit 6ts Garage Punk-Bands!”, stellt Evel klar, „Die haben mehr mit AC/DC (die ich übrigens mag) gemeinsam als mit den den Wailers, Trashmen, Sonics und ? & the Mysterians… Mando Diao waren übrigens bei unserem Gig in Hamburg im Publikum!! Hehe…”

Nach Evels Meinung ist seine Heimat Österreich sowieso „leider komplett Indie-, Emo, Gitarrenpop-, Hardcore- und Ska-verseucht! Und da es leider keine wirkliche Rock‘n‘Roll-Scene mehr zu geben scheint, muss man halt auch gezwungenermaßen miteinander leben! Weil die Ausweichmöglichkeiten einfach nicht da sind und die jeweiligen Szenen zu klein sind! Es ist ja alles nur mehr wischiwaschi! Jeder ist alles! Manchmal wünsch ich mir schon fast wieder klare Linien! Und dass die Leute wieder Farbe bekennen und nicht jeder ein Mod, Rocker und Electro-Techno-Fuzzi in einem ist…”

Wie wahr. Und Teenage Trash Insanity von den Staggers ist genau die Sorte Platte, die den Kids die Entscheidung erleichtern sollte, auf welcher Seite sie stehen.

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Beitrag von Fritz
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